Vor 31 Jahren (1989) hat eine Initiative einiger Eltern den Verein Kinderhaus Wetterau e.V. gegründet.

Die Eltern hatten den Anspruch auf eine individuelle und qualitativ hochwertige Pädagogik für ihre Kinder und wünschten mehr Mitsprache und Mitbestimmungsrechte für sich selbst.

Gemeinsam kümmerten sich alle um sämtliche organisatorischen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten, die notwendig waren, um die Einrichtung betreiben zu können.

Wir setzen deshalb noch heute auf Eltern, die für ihr Kind nicht nur einen reinen Betreuungsplatz suchen, sondern den Lebensraum Kinderhaus für ihr Kind und sich selbst aktiv mitgestalten möchten.

Es gibt immer neue Ideen, um das Kinderhaus weiterzuentwickeln.

Gemäß dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) begreifen wir die Kinder als lernende, forschende und entdeckungsfreudige Kinder.

Wir fördern die Kinder mathematisch, indem wir ihnen ermöglichen, Erfahrungen über mathematische Zusammenhänge zu sammeln und Phänomene in konkreten Situationen mit allen Sinnen zu erleben.

Wir setzen uns mit mathematischen Phänomenen auseinander.

Wir wecken die Freude am Umgang mit Formen, Mengen, Zahlen sowie Raum und Zeit.

Wir fördern das Mengenverständnis und die Zahlen- und Zählkompetenz des Kindes.

Wir beobachten Vorgänge in der Umwelt systematisch und sammeln Erfahrungen mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten.

Wir erschließen uns die Welt, indem wir mit Hilfe von Experimenten naturwissenschaftliche Vorgänge bewusst wahrnehmen.

Wir erlangen Einsicht in Technik, üben den Umgang mit Werkzeugen, lösen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit technische Fragestellungen.

Wir bauen und konstruieren mit unterschiedlichen Materialien.

Im Rahmen der reggio-inspirierten Projektarbeit gibt es immer wieder Forschungsthemen mit „Fragen an die Welt“.

Im Kinderhaus achten wir auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Auswahl der Lebensmittel. Unsere Köchin sorgt jeden Tag für ein frisch zubereitetes Mittagessen. Unser wöchentlicher Speiseplan beinhaltet möglichst ein Fleischgericht, ein Fischgericht und drei vegetarische Gerichte plus Rohkost. Das zuckerfreie Frühstück und die Brotzeit werden, wie das Mittagessen, aus regionalen, saisonalen und zum Großteil aus Biolebensmitteln zubereitet.

Zu den Mahlzeiten gibt es täglich Mineralwasser und ungesüßten Tee.

„DAS KIND HAT 100 SPRACHEN“

(Loris Malaguzzi, Reggio Emilia 1985)

EIN KIND IST AUS HUNDERT GEMACHT.

Ein Kind hat hundert Sprachen,

hundert Hände, hundert Gedanken,

hundert Weisen zu denken,

zu spielen und zu sprechen.

Immer hundert Weisen zuzuhören,

zu staunen und zu lieben,

hundert Weisen zu singen

und zu verstehen,

hundert Welten zu entdecken,

hundert Welten zu erfinden,

hundert Welten zu träumen.

Ein Kind hat hundert Sprachen,

doch es werden ihm neunundneunzig geraubt.

Die Schule und die Umwelt trennen ihm den Kopf vom Körper.

Sie bringen ihm bei ohne Hände zu denken,

ohne Kopf zu handeln, ohne Vergnügen zu verstehen,

ohne Sprechen zuzuhören,

nur Ostern und Weihnachten zu lieben und zu staunen.

Sie sagen ihm, dass die Welt bereits entdeckt ist

und von hundert Sprachen rauben sie dem Kind neunundneunzig.

Sie sagen ihm, dass das Spielen und die Arbeit

die Wirklichkeit und die Phantasie

die Wissenschaft und die Vorstellungskraft,

der Himmel und die Erde,

die Vernunft und der Traum,

Dinge sind, die nicht zusammengehören.

Sie sagen also, dass es die hundert Sprache nicht gibt.

Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch.“


All das was Kinder tun, verstehen wir als „Sprechen“

Kinder geben mit allen Möglichkeiten der  Kommunikation  zusätzlich  zur  gesprochenen  Sprache etwas  darüber zu erkennen, wie und warum  sie handeln und welche  Bilder  sie  von der Welt erzeugen.

Sie benutzen dabei alle Mittel und Werkzeuge und Funktionsbereiche die ihnen zur Verfügung stehen.

Dazu bedarf es eines sozialen und kulturellen Umfelds, das diese Vielfalt des Denkens und Ausdrucks unterstützt.

Die  Hundert  Sprachen  der  Kinder…

… sind  hundert  Weisen  die Welt  zu  verstehen,  zu  interpretieren und den Beziehungen  zur  Welt  und zu  anderen  Menschen,  sowie  der  eigenen  Identität  Ausdruck zu verleihen, künstlerisch oder konstruktiv.

Wir Erwachsenen

haben eine große Verantwortung die Kinder bei der Entfaltung ihrer hundert Sprachen zu unterstützen.

Die hundert Sprachen sind eine Metapher für die vielfältigen Aneignungs- und Ausdrucksformen,

illustrieren das Recht auf schöpferisches Leben und das Recht auf eigene Erkenntnis.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Sinneserfassung bilden die Grundlage für die vielen Sprachen der Kinder.

Damit die Sinneserfahrungen zu einer Sprache werden können, brauchen Kinder Materialien, Werkzeuge,  Rollen- und darstellendes Spiel, Musik, bildende Kunst und auch symbolische Strukturen, um möglichst viele Formen der Wirklichkeitsaneignung zu erfahren, auszuprobieren und um persönliche Ausdrucksformen zu entwickeln.

Im Kinderhaus besteht die Möglichkeit für Kinder ab 5 Jahre mit einer Erzieherin das Schwimmen zu erlernen.

LEBENSGEMEINSCHAFT AUF ZEIT MIT FAMILIEN

Unsere Familien und Erzieher*innen sind Partner in der Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder. Die pädagogischen Fachkräfte und die Familien gestalten gemeinsam die Erziehungspartnerschaft im Kinderhaus Wetterau e.V.

Mit einem ausführlichen Erstgespräch nehmen wir uns die Zeit, die Familien, ihre Situation, ihre Erlebnisse und Erfahrungen, Gewohnheiten, ihre Ideen und Wünsche und ihr Umfeld kennenzulernen. Wir sind offen für neue Informationen und Gespräche.

Erziehung ist ein gemeinschaftlicher Prozess. Wir sehen „unsere“ Familien als Fachleute für ihr Kind und wollen ihre persönlichen Kompetenzen miteinbeziehen. Wir freuen uns über die Mitwirkung von Familien und beteiligen sie in wesentlichen Angelegenheiten der Einrichtung.

Zum Wohle der Kinder schaffen wir gemeinsam mit den Familien eine Erziehungspartnerschaft, die von Wertschätzung und Transparenz geprägt ist. Das Lebensumfeld der Familien ist im Kinderhaus Wetterau e.V. eingebunden. Mit Aktionen wie Elternabende und Elternplena beziehen wir unsere Familien in die Gestaltung unserer Konzeption mit ein. Wir wertschätzen die besonderen Interessen, Fähigkeiten und Kenntnisse, damit Familien bei uns wirksam werden. Gemeinsam feiern wir saisonale Feste. Die Familien übernehmen wöchentlich den Wäschedienst.

Schon vor der Aufnahme der Kinder ins Kinderhaus, haben Familien die Möglichkeit die Einrichtung kennenzulernen.

Vor Vertragsabschluss findet das Erstgespräch statt. Zudem finden regelmäßig Elternabende zu pädagogischen und organisatorischen Inhalten und zum Informationsaustausch statt. Wir treffen uns regelmäßig gemeinsam in der Piazza zum Austausch, diese Treffen finden im Kinderhaus statt. Familien und pädagogische Fachkräfte nehmen gleichermaßen daran teil und besprechen und planen gemeinsam Inhalte, die unser Kinderhaus betreffen.

Die Säulen unserer Arbeit bilden der hessische Bildungs- und Erziehungsplan und die Projektarbeit.

Aktuell greifen wir Impulse aus der Reggio-Pädagogik auf, insbesondere im Hinblick auf die Partizipation der Kinder und die Projektarbeit.

Wir sind seit Juli 2019 als Reggio-inspirierte Einrichtung zertifiziert.